Der Traum vom perfekten Werkzeug

Es gibt keine fertigen Werkzeuge, die es uns erlauben moderne Websites auf Knopfdruck zu erstellen. Für den ein oder anderen kommt das Überraschend.

In letzter Zeit höre ich immer häufiger Klagen von Webentwicklern, dass die richtigen Werkzeuge fehlen, um modernes Webdesign zu produzieren. Das ist zu einem Gewissen Grad zwar nicht falsch, aber es ist auch nicht richtig.

Erstens definiert sich modernes Webdesign durch das, was da draußen passiert. Also hat wohl irgendwer die richtigen Werkzeuge. Zweitens ist die Annahme, dass sich das auf modernes Webdesign beschränkt, eine Falsche. Wir hatten noch nie perfekte Werkzeuge für das, was wir tun und das wird auch so bleiben.

Wir sind nun mal in einer Branche die sich bewegt. Wer jetzt klagt, dass Photoshop nicht mehr das richtige Werkzeug ist, für den habe ich eine Überraschung: das war es noch nie. Aber genauso ist ein Hammer nicht das perfekte Werkzeug um einen Nagel in die Wand zu hauen. Aber in den meisten Fällen ist er das Beste was wir haben.

Die Frage ist, was wir erreichen wollen und was das Beste Werkzeug dafür ist, mit dem wir umgehen können. Das kann ein Hammer sein, oder Photoshop oder ein Banjo. Und ja, es ändert sich. Gerade für Web- und Interfacedesigner. Weil sich Websites und Interfaces ändern und eben auch weil sich unsere Werkzeuge ändern. Design ist nicht das Herstellen von Grafiken, das Herstellen von Grafiken aber sehr wohl Teil des Designprozesses. Photoshop (oder ein vergleichbares Programm) gehört natürlich nach wie vor an den Werkzeuggürtel eines Webdesigners. Wenn aber alle anderen Schlaufen leer sind, ist weder der Gürtel noch das eine Werkzeug schuld.

Es erscheint mir aber, als hätten Designer und Entwickler, die jetzt vom Ende des Designprozesses, den wir in den 90ern hilfsweise erfunden haben, ein ganz anderes Problem. Genauso könnten sie das Ende von Kutschfahrten als Fernverkehrsreisemitteln verkünden. Das müsste jedem klar sein, der sich mit dem Medium auseinander setzt. Aber nicht erst seit heute. Die Prozesse ändern sich nicht nur mit der Zeit, sondern abhängig vom Projekt und wir bekommen laufend neue Werkzeuge dazu. Natürlich kann die niemand alle ausprobieren, aber wer keine ausprobiert, der lebt eben noch in seinem Werkzeugkasten von 1998. Dann braucht dieser sich aber nicht zu wundern, dass das in agilen, mobilen und fragilen Projektumgebungen nicht vernünftig funktioniert.

Wir haben Programme zur Bildverarbeitung, wir haben Werkzeuge zum schnellen Prototyping, wir haben Werkzeuge für Typografie und solche um Interaktionen zu testen. Die sind vielleicht alle nicht perfekt, aber es gibt auch keinen Grund jetzt dauernd auf die Tränendrüse zu drücken. Geht entweder los und baut bessere Werkzeuge oder guckt euch erstmal um, was es da draußen alles gibt.

Mein Designprozess ist dreckig. Ich benutze stumpfe Bleistifte auf Papier, scanne ein, setze Schrift in Typecast, baue Prototypen, mache Screenshots, werfe die in Photoshop und modifiziere, werfe die Ergebnisse in andere Prototypen und so weiter. Dabei wird sicher nicht jede Photoshop-Ebene auf anhieb ordentlich benannt und nicht immer jeder Abstand gleich genau vermessen, aber das ist auch gar nicht der Punkt. Wer seinem Kunden immer noch eine Grafik vorhält und erklärt, so würde die Website werden, der sollte große Hoffnung in die Erfindung der Zeitmaschine setzen, denn 1998 kommt so schnell nicht zurück.

Achja: und bitte schiebt es nicht auf die Kunden, die trifft nun wirklich keine Schuld, wenn ihr noch versucht mit dem Hammer eine Website zu bauen.

Portraitfoto Andreas Dantz

Andreas Dantz

Andreas ist Designer und Berater für Digitales und ist spezialisiert auf Designsysteme & Apps.

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