Apple, Google, Facebook & Co wollen, dass du deine Website aufräumst

Die Inhalte einer Website hören zum Gemeinwohl aller in Zukunft noch weniger am Rande der Website auf. Dafür müssen sie aber erst in Ordnung gebracht werden.

Es tut sich was in den Weiten des Internets. In den vergangenen Jahren schlich sich eine neue Aufgabe für unsere Websites ein. Und es sieht nicht danach aus, als würde sich diese Entwicklung umkehren. Bisher war die Hauptaufgabe den Besuchern der Website das zu geben, wonach sie suchten. Sei es ein Produkt, eine Information oder Unterhaltung.

Jetzt kommt langsam eine Funktion hinzu, deren Idee erstmals nach der ersten Dotcom-Blase auftauchte. Mittels Microformaten können bestimmte Informationen der Website Maschinenlesbar markiert werden. Dabei geht es in der Hauptsache um Visitenkarten und Kalendereinträge und so richtig interessierte sich niemand dafür. Es gab einfach keine Anwendung im großen Stil. Ein paar Browserplugins um einen Kontakt direkt ins Adressbuch zu übernehmen, die eine oder andere Anwendung fügte ein paar Komfortfunktionen hinzu. Aber die Killeranwendung blieb bis heute aus

Facebook marschiert ein

Mit Einführung des Open Graph-Protokolls brachte Facebook 2010 eine andere einfache Strukturierung der Daten, die für eine große Masse an Websites interessant war. Plötzlich ließ sich bestimmen, wie Daten beim Teilen auf Facebook angezeigt werden.

Natürlich erreicht Facebook eine ganz andere Marktmacht, als ein paar träumende Weltverbesserer. Twitter und Google Plus ließen mit ähnlichen Initiativen darüber hinaus die jeweiligen Autoren- und Seitenprofile mit den auf der Website abgebildeten Informationen verknüpfen. Andere Anwendungen wie zum Beispiel Slack bedienen sich den ursprünglich für Facebook angelegten Vorschauen.

Damit können die Inhalte besser verstanden und von den jeweiligen Seiten oder Anwendungen besser aufbereitet werden.

Screenshot einer Artikelvorschau bei Facebook

Google geht noch einen Schritt weiter und versucht auch nicht strukturierte Informationen aus der Seite auszulesen und mit Eingaben der Geschäftsinhaber zu vervollständigen. Da ist es hilfreich, dass sie ohnehin versuchen das gesamte Web zu erfassen, Sprache zu verstehen und generell einen Hang dazu haben, absurd große Projekte in die Tat umzusetzen.

Öffnungszeiten und Telefonnummern des Supermarktes um die Ecke lassen sich so inzwischen leichter über die Google-Suche finden, als über die Website der jeweiligen Supermarktkette. Bei Letzterer muss ich zuerst die Filialsuche finden, dort dann die Filiale und dann die Öffnungszeiten. Eine kurze Suche nach „öffnungszeiten rewe westerstr“ ist da doch deutlich schneller und direkter.

Screenshot der Google Suche nach öffnungszeiten rewe westerstr in der Desktop-Suche

Was bei der Suche im Browser gilt, gilt erst recht auf dem Smartphone oder bei sprachgesteuerter Nutzung im Auto oder an der Smartwatch. Ob der Assistent dort nun Google Now, Siri, Cortana oder sonst wie heißt. Direkt eine gesprochene Antwort zu bekommen, wenn ich nach besagten Öffnungszeiten frage, statt einer Website als Suchergebnis, für deren Benutzung ich das Smartphone erstmal aus der Tasche holen muss, ist eine enorme Erleichterung und wird erst dann möglich, wenn die Daten maschinenlesbar strukturiert sind.

Die Entfernung vom Besucher

Die Frage ist: was verliert – in diesem Falle REWE – durch das Umgehen der eigenen Website? Am Ende hat der Suchende die gleiche Antwort und weiß, wann der Supermarkt geöffnet ist. Meistens auch auf schnellerem Wege. Der Inhalteanbieter verliert dabei allerdings die Möglichkeit, zu kontrollieren, welchen Informationen der Suchende noch ausgesetzt wird, bevor er die Informationen findet. Dass die meisten Unternehmen mit dieser Verantwortung aber ohnehin nicht gut umgehen können, haben sie in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen.

Also durchsucht jetzt neben den klassischen Suchmaschinen auch Apple das Netz. Und zwar nicht, um eine eigene Suchmaschine zu starten, sondern damit Siri und die Systemsuche uns zukünftig schlauere Antworten liefern können. Facebook beginnt zusätzlich zum Auslesen der Inhalte mit ausgewählten Partnern, Textinhalte direkt im eigenen Netzwerk auszuliefern. Apple startet in Kürze etwas ähnliches mit einer eigenen News-App, für die die Artikel ebenfalls von der Website bereitgestellt werden.

Der nächste Schritt wird es dann sein, auf eine ähnlich strukturierte Art und Weise Order-Prozesse anstoßen zu können. Dann kann ich mit der Frage, was gerade im Kino läuft nicht nur einfach Filmzeiten erfragen. Sondern stattdessen könnte ich Siri im Anschluss auffordern, zwei Tickets für Jurassic Park 7 in der 20Uhr-Vorstellung zu ordern.

In der Zukunft wird der Webauftritt also zunehmend weniger an den Grenzen der eigenen Website aufhören. Für uns Benutzer wird es in den meisten Fällen genauso zum positiven sein, wie für uns Inhalteanbieter. Nur die Kontrolle geht dabei ein Stück weit verloren.

Portraitfoto Andreas Dantz

Andreas Dantz

Andreas ist Designer und Berater für Digitales und ist spezialisiert auf Designsysteme & Apps.

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