Vortrieb.sexy

Jede menge neue Domainendungen stehen zum verkauf. Andreas hält mit seiner Meinung, warum die Quatsch sind nicht hinterm Berg.

„Seien Sie dabei, wenn eine neue Ära beginnt“. Nicht oft haben wir die Gelegenheit dabei zu sein, wenn etwas nie dagewesenes die Welt völlig verändert. Aktuell findet sich auf vielen Seiten von Webhostern und Domainanbietern ein Satz der dem obigen zumindest ähnelt.

Die alt hergebrachten Endungen wie .com, .net und .de sind abgegrast, ein trostloses Ödland, dass neue Namen nur noch durch weglassen unnötiger Vokale oder exotische Wortschöpfungen erlaubt. Aber die Rettung ist nah, in Form von unzähligen neuen Endungen. Schon jetzt verfügbar sind Schätze wie .bike, .graphics, .sexy oder .technology. Eine neue, nicht erschlossene Welt voller Gelegenheiten zur perfekten Domain. Im Laufe des nächsten Jahres kommen noch viele Dutzend weitere Schätze wie .berlin, .lol, .sex und .gmbh dazu.

Der neue Goldrausch hat nur ein riesiges Problem: er ist völlig sinnlos und führt zu gar nichts. Auf der einen Seite verlieren Domains immer mehr an Relevanz. Suchmaschinen auf der einen Seite und soziale Netzwerke auf der Anderen lassen den Mehrwert der perfekten Domain immer mehr verschwinden.

Gleichzeitig besteht zusätzlich das Problem, dass viele weniger versierte Nutzer sie nicht verstehen. Für meinen privaten Blog benutze ich eine .me-Domain. Als ich kürzlich versuchte mit der dazugehörigen Mailadresse eine Reservierung zu hinterlegen Rief man mich an, ob ich mich vertippt hätte. Ich würde schließlich sicher .de meinen und das wäre ihr ja noch nie untergekommen.

Noch schlimmer war es vor einigen Jahren als wir für einen Kunden unserer damaligen Agentur eine .jobs-Domain registrierten. Ja, die gibt es schon lange und ja, man sieht sie zurecht nirgends. Der Kunde war ein Personaldienstleister und hatte einen Firmennamen, der auch viele andere Firmen schmückte und wir dachten, wir hätten eine besonders clevere Idee mit der Domain gehabt. Leider war dem nicht so. Bewerber schickten ihre Unterlagen an die falschen Firmen und spätestens als der Chef selbst einen Mailverlauf mit seinem Anwalt an die Konkurrenz weiterleitete, war das Experiment beendet.

Die technische Kompetenz der Bevölkerung reicht einfach nicht so weit, dass sie das Konzept von Domains versteht. Warum sollte man auch, es ist eine alte Hilfslösung, deren technischen Hintergrund selbst viele in der Branche nicht kennen und auch nicht zu kennen brauchen. Jeder hat mittlerweile gelernt, dass im Internet am Namen ein .de oder bei internationalen Dingen ein .com hängt. Menschen wie wir, die zu spät kommen müssen dann mit .net oder noch schlimmer mit .org leben. Bevor aber die Menschen in unserem Umfeld, denen wir über Jahre eingetrichtert haben, im Internet vorsichtig zu sein, einfach akzeptieren, dass http://bundhosen.kaufen eine legitime Domain ist, wird mindestens noch viel Zeit vergehen.

Bis dahin würde ich jedem raten, bei den etwas etablierteren Domains zu bleiben.

Portraitfoto Andreas Dantz

Andreas Dantz

Andreas ist Designer und Berater für Digitales und ist spezialisiert auf Designsysteme & Apps.

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